Von Markus Skipinski auf Dienstag, 17. Februar 2026
Kategorie: Mittelstand digitalisieren

KI im praktischen Einsatz – Ist KI nur ein Werkzeug oder Personalersatz?

Immer wieder ist vollmundig zu hören „KI vernichtet Arbeitsplätze“, „KI übernimmt gesamte Geschäftsprozesse“, „Künstliche Intelligenz revolutioniert Lehre“oder gar „KI ersetzt den Menschen“. Wie ist der Stand der Technik Anfang 2026 tatsächlich und in welchem Rahmen ist eine Generative KI wie ChatGPT ein praktisches Werkzeug oder gar ein Ersatz für menschliche Fertigkeiten.

Der Begriff KI hat eine breite Bedeutung. Dieser Artikel verwendet den Begriff KI stellvertretend für die auf Generativer KI basierten Großer Sprachmodelle und am Beispiel der in 2025 veröffentlichten Testergebnisse von ChatGPT. 

Renommierte Große Sprachmodelle, wie beispielweise Claude, ChatGPT, Gemini oder Perplexity, werden regelmäßig und umfangreich auf ihr Wissen und Können mit menschlichen Prüfungsfragen und eigens für KI entwickelten Tests geprüft. Diese Ergebnisse werden üblicherweise auf sogenannten „LLM Leaderboards“ (Ranglisten der Großen Sprachmodelle) veröffentlicht. Nachfolgend eine Übersicht der Testergebnisse von ChatGPT 5.2 von OpenAI:

Die im Diagramm vorgestellten Testergebnisse liefern einen Eindruck über die KI-Fähigkeiten in den Bereichen „Abstraktes Denken“, „Interpretation von Abbildungen“, „Mathematik“, „Softwareentwicklung“ und „Wissensarbeitsaufgaben“ (Arbeitsaufgaben aus 9 Branchen und 44 Berufen). Farblich hervorgehoben ist der Schwierigkeitsgrad der Fragen durch die Kategorien „Schule & Ausbildung“ (grau) und „Beruf & professionelle Praxis“ (blau).

Ins Auge fällt, dass die Ergebnisse für den Bereich Schule & Ausbildung (Durchschnitt von 85%) sowohl insgesamt als auch in jeder einzelnen Kategorie deutlich höher liegen als die Ergebnisse des Bereichs „Beruf & professionelle Praxis“ (Durchschnitt von 54%). 

Schule & Ausbildung: Moderne Sprachmodelle überzeugen für Aufgabenstellungen im Bereich Schule & Ausbildung und sind für Lernende ein starkes und hilfreiches Werkzeug, dass auf individuelle Fragen eingeht und geduldig Rede und Antwort steht. Die KI vermittelt Lerninhalte und glänzt mit einem breiten Fundus an vielfältigem Grundlagenwissen und umfassenden Sprachkenntnissen. Auch der Ideenreichtum der KI kann die Kreativität des Lernenden anregen oder fördern. Die Fähigkeiten des klaren Formulierens und kritischen Denkens sind jedoch Grundvoraussetzungen, um passende Antworten zu erhalten und die Wahrheit von Unsinnigem zu trennen. Heutige KI-Anwendungen sind bei Lernenden beliebte und akzeptierte Hilfsmittel, die Lehrkräfte in überfüllten Klassenzimmern oder Seminarsälen entlastet, und Berufe wie Lernbegleitung verdrängen

Beruf & professionelle Praxis

 Im Gegensatz zur Ausbildung erweist sich die Leistungsfähigkeit der Sprachmodelle im beruflichen Einsatz deutlich differenzierter. Einfache Aufgaben, generische Tätigkeiten und einbringen allgemeiner Fachkenntnisse bewältigt die KI gut, wohingegen sie bei spezialisierten Aufgaben, spezifischem Arbeitswissen, kognitiven Anforderungen oder der Entwicklung neuer Konzepte nur etwa die Hälfte der getesteten Anforderungen korrekt meistert. Damit ist KI im professionellen Umfeld eher ein unterstützendes Werkzeug zur Entlastung von Fachleuten und erfahrenen Arbeitskräften, und kein Ersatz für qualifiziertes Personal. Gerade bei komplexen Anforderungen ist die KI auf die Anleitung durch menschliche Expertise und Erfahrung angewiesen, um brauchbare und praxisnahe Lösungen im professionellen Umfeld zu erarbeiten. Auch in 2026 gilt für fachspezifische berufliche Aufgaben, nur ein Tandem aus Experte und KI bringt die erhofften Effizienzsteigerungen. 

Berufsbilder mit hohem Grad an Wiederholungstätigkeiten, eindeutig vordefinierten Regeln und geringen Improvisationsanforderung werden durch KI teilweise oder vollständig ersetzt. Nachfolgend eine exemplarische Liste an Berufsbildern, die durch den Einsatz generativer KI-Technologien für Text, Bild und Ton sowie durch KI-gestützte Automatisierung spürbar betroffen sind: Datenerfassende, Einzelhandelskassierende, Kolumne Journalisten, Korrektoren, Kundendienstbasisunterstützende, Lageristen, Lektoren, Marktanalysten, Programmiercodeentwickelnde, Schnellrestaurantpersonal, Telefon Marketer, Übersetzende, Webseitenentwickelnde (Livecareer.de, Ausbildung.de, Heise.de).

Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassend glänzt KI zwar in wissensvermittelnden, sich wiederholenden, und klar definierten Aufgaben durch Präzision und Geschwindigkeit, jedoch führt der Mangel an Empathie, sozialer Kompetenz, kognitiven Fähigkeiten und Improvisationsfertigkeiten dazu, dass diese Qualifikationen dem Menschen vorbehalten bleiben, sowohl in Schule & Ausbildung als auch in Beruf & professioneller Praxis. Diese KI-Defizite sind der Forschung und Entwicklung wohl bekannt, und es wird bereits an zukünftigen Lösungen gearbeitet auf die wir alle gespannt sein dürfen.

Autor

Dr. Markus Skipinski ist seit 2018 selbständiger Berater für strategische und prozessorientierte Innovation und Experte für Business Intelligence (biz-innovation.de). Er besitzt eine 25-jährige Berufserfahrung in verschiedenen Branchen darunter Chemische Industrie, Automobilindustrie und Waschmittelindustrie. Seine Beratungsschwerpunkte sind die Entwicklung von integrativen Innovationsstrategien, die Einführung und Optimierung von Innovationsprozessen und die Förderung der Innovationskultur, sowie die Einführung digitaler Verfahren zur Entscheidungsunterstützung mittels Business Intelligence und maschinellem Lernen.



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