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Vergütung: Mehr als schnöder Mammon – Betrachtungen Teil 1: Christentum

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Haben Geisteshaltung und Vergütung miteinander zu tun? Seit der Vertreibung aus dem Paradies bestreitet der Mensch seine Existenz mittels Arbeit, bezahlter Arbeit. Mag in der Frühzeit des Christentums ein Gotteslohn gereicht haben, um die Menschen zu den Mühen der Arbeit zu treiben, so ist dies heute aus der Zeit gefallen. Auf Unternehmen übertragen: Wie sieht es hier aus mit der Geisteshaltung? Dominiert die Haltung, optimalen Profit mit möglichst geringem finanziellem Aufwand zu erzielen? Oder steht eine angemessene Bezahlung im Fokus? In welchem Maße die Bibel heutiges Denken beeinflusst, vertiefen wir in Teil 1

Brauchen wir eine „Christliche Vergütung“?

Der Anteil menschlicher Arbeit an der Prosperität des Unternehmens ist heute grundsätzlich unbestritten. Doch in welchem Maße Beschäftigte am Gewinn beteiligt sein sollten, daran scheiden sich die Geister. Bei der Betrachtung unserer modernen Vergütungssysteme ist es immer wieder erstaunlich, wie häufig uns auch in dieser Debatte Versatzstücke und Gedanken aus der Geschichte der Religion und der Philosophie begegnen. Manche mögen aus dem Zusammenhang gerissen sein, nur um als Beweis für ein ganz bestimmtes Ziel funktionalisiert zu werden. Dennoch zeigt dieses Phänomen die Verknüpfung geistig-kultureller Perspektiven mit einem vermeintlich ausschließlich praxisorientierten Geschehen. Ein paar Streiflichter belegen, dass wir uns nicht im luftleeren Raum bewegen, wenn wir über das beste Vergütungssystem der heutigen Zeit streiten.

Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot verdienen! (Gen 3,19)
Seit der Vertreibung aus dem Paradies schwebt diese Forderung wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Menschen. So manch moderner Unternehmer hält diese Predigt seiner Belegschaft nur allzu gern. Doch davon lassen sich Arbeitnehmer heute nur noch in den seltensten Fällen beeindrucken. Der eine oder andere Manager mag das bedauern. Das hieße allerdings, die Lehren aus der Entwicklung von Religion und Philosophie zu ignorieren.

Es gibt ein Leben vor dem Tod
Lange vor der Industrialisierung setzten sich im christlichen Europa auch andere Erkenntnisse durch. Dass es auch ein Leben vor dem Tod gäbe, ist zwar nicht der Bibel entlehnt. In der Interpretation der Bibel fürs Alltagsgeschehen ließ sich die in größter Armut lebende Bevölkerung allerdings mit dem alleinigen Verweis auf die Seligkeit im Jenseits nicht mehr „bändigen“. Diese Bevölkerungsschicht musste erleben, wie eine kleine Oberschicht sehr wohl die Vorzüge von Müßiggang und Völlerei zu genießen wusste, den Armen aber Verzicht auferlegte oder gar mit Zynismus reagierte. Hatte beispielsweise in Frankreich die damalige Königin Marie-Antoinette (1755 – 1793) noch den Spruch von sich gegeben: „Was, das Volk klagt, es habe kein Brot? Dann soll es doch Kuchen essen“ – so gab die Französische Revolution dem Aufbegehren des Volkes ein blutiges Gesicht. Ein Lehrstück der Geschichte, um zumindest das Überleben ohne Hunger und Elend zu ermöglichen.

Du sollst dem Ochsen beim Dreschen keinen Maulkorb anlegen (Deut 25,4)
Aufgrund der offenkundig gewordenen Widersprüche zwischen Diesseits und Jenseits wandelte sich nach diesem Aufbegehren nun auch die christliche Lehre. Sie reagierte nun in ihren Predigten und Verkündungen mit Losungen, die zwar Herrschaftsverhältnisse nicht in Frage stellten, aber ein gewisses Recht auf eine angemessene Entlohnung zugestanden. Das obige Zitat zeugt sicherlich nicht von einem humanistischen Menschenbild, es birgt aber die Erkenntnis, dass auf Dauer niemand davon profitiert, wenn das Arbeitstier zu Tode geschunden wird. Ein Mindestmaß an Versorgung und Pflege hält Arbeitskraft aufrecht.

Die Redewendung vom Ochsen, dem man beim Dreschen keinen Maulkorb anlegen soll, hat sich erstaunlicherweise bis in die moderne Zeit erhalten. Wie bei so vielen anderen Leitsprüchen und Sprichwörtern hat sich der Inhalt über die Jahrhunderte den historischen Entwicklungen entsprechend geändert. Doch er bezeichnet im Kern auch heute noch das Spannungsfeld, in dem sich die Attraktivität eines Vergütungssystems und damit letztlich des Unternehmens spiegelt: In welchem Maße erkennt ein Unternehmen den Anteil seiner Beschäftigten am Gewinn an?

Impulse für die Zukunft aus der christlichen Soziallehre
Die Orientierung an überkommenen „Weisheiten“ ist so einfach natürlich nicht mehr möglich. Die Unternehmen stehen im Wettbewerb um die besten Köpfe – und die Anforderungen an Berufsqualifikationen steigen unaufhörlich. Da braucht es Vergütungsmodelle, die das Interesse der so dringlich gesuchten Fachkräfte wecken. Neben einer angemessenen Bezahlung kommen dafür Beteiligungen und langfristige Boni in Frage wie auch soziale Vergünstigungen. Unter dem Strich heißt das, dass jedes Unternehmen seinen Weg finden muss, wie es unter Berücksichtigung der eigenen Rahmenbedingungen das maßgeschneiderte Vergütungssystem findet. Manchem gibt die Beschäftigung mit der christlichen Soziallehre wichtige Impulse für die Zukunft.

Eine hilfreiche Orientierung bieten Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung in der Analyse und Implementierung von abgestuften Vergütungsmodellen, wie sie unter www.respondeo.de zu finden sind. Sowohl theoretische Grundlagen als auch die vielfältigen Erfahrungen aus der Praxis werden hier mit effizienten Tools zur Erstellung eines maßgeschneiderten Vergütungssystem für die jeweilige Organisation verbunden.

Co-Autorin:
Katharina Daniels (Kommunikationsberaterin & Publizistin), Partnerin im VBU (Verbund beratender Unternehmer)

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