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Nachfolge in Familienunternehmen: Zuerst der Mensch...

Fotolia_Nachfolgewrfel Menschliche und wirtschaftliche Faktoren kumulieren bei der Unternehmensnachfolge

Der größte Wertevernichter in Familien ist der Streit. Das gilt insbesondere für Familienunternehmen. Dabei geht es nicht nur um die wirtschaftlichen Werte, die im Streitfall auf dem Spiel stehen. Es geht auch um die ideellen Werte einer Familie, wie Gerechtigkeit unter den Geschwistern, Vertrauen zueinander, Ehrlichkeit miteinander und Respekt sowohl vor der Lebensleistung der übergebenden Generation als auch vor den ggf.  abweichenden Lebensentwürfen der Kinder.

Spezifische Herausforderungen der familieninternen Betriebsübergabe 

 Ein Familienunternehmen steht ständig vor der Herausforderung, einem Doppelauftrag gerecht zu werden: einerseits muss die Familie organisiert und zum anderen ein Unternehmen geleitet werden. Jede Aufgabe für sich ist schon anspruchsvoll genug, beides zusammen eine große Leistung. Das zeigen die vielen Familienbetriebe, die, teilweise über Generationen hinweg, am Markt erfolgreich sind. In einem funktionierenden Familienbetrieb besteht ein gut ausbalanciertes Gleichgewicht zwischen Betrieb, Familie und Eigentum mit den entsprechenden Schnittmengen. Bei einer familieninternen Übergabe muss dieses Gleichgewicht neu geordnet und wieder hergestellt werden. Und genau das ist die besondere Herausforderung. 

Welche Rolle spielen die komplexen Beziehungsstrukturen in einer Familie?

 Bei einer familieninternen Betriebsübergabe  spielen die Beziehungsstrukturen innerhalb der Familie die größte Rolle. In der Familie geht es um enge zwischenmenschliche Beziehungen, die Erziehung der Kinder, den familiären Zusammenhalt und um Gerechtigkeit zwischen den Familienmitgliedern. All' diese Faktoren spielen eine große Rolle und bergen bei der Betriebsübergabe jede Menge Konfliktpotential. Zum Beispiel: keines der Kinder will die Nachfolge antreten; keines der Kinder scheint geeignet; auch wenn einer übernehmen möchte; es gibt eine Rivalität unter den Geschwistern, obwohl nur eine/r Chef werden kann; die Eltern bevorzugen unterschiedliche Kinder in der Rolle des Nachfolgers… Diese emotional geprägten Beziehungsstrukturen treffen auf die unternehmerische Herausforderung, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

 Was kann getan werden, um den großen Krach zu verhindern?

Es gibt es nur einen wirksamen Weg, um den großen Krach zu verhindern. Der Unternehmer sollte ggf. gemeinsam mit seiner Frau so früh wie möglich damit beginnen, die Nachfolge zu regeln. Das heißt auch, sich über mögliche Erwartungen an die Nachfolgeregelung klar zu werden und diese mit den Kindern zu besprechen. Das heißt aber auch, sich über die Zeit danach klar zu werden und ein eigenes Ausstiegsszenario zu entwerfen. Je früher desto besser:

Denn erst wenn das menschliche Erbe geklärt ist, kann mit der Regelung des wirtschaftlichen Erbes begonnen werden. 

 Was (nicht) tun, wenn der Nachwuchs nicht übernehmen möchte?

Wenn der Nachwuchs nicht übernehmen möchte, macht es überhaupt keinen Sinn, ihn dazu zu drängen und Druck auszuüben. Den Kindern die Freiheit zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen, auch wenn das bedeutet, das Unternehmen zu verkaufen und das Lebenswerk in fremde Hände zu geben, ist hier die größte Herausforderung.

Ist professionelle Unterstützung durch Berater bei familieninternen Betriebsübergaben sinnvoll?

Der größte Wertevernichter in Familien ist der Streit…und Geld in eine professionelle Beratung und Prozessbegleitung zu investieren, ist daher gut angelegt. Und auch hier gilt: so früh wie möglich. Oft genug kann Streit vermieden werden, wenn der Unternehmer oder die Unternehmerin  schon im Vorfeld der Übergabe eine Beratung in Anspruch nimmt und das Ausstiegsszenario gemeinsam mit dem Berater und ggf. der mitarbeitenden Ehefrau entwirft und bespricht. Zu einem späteren Zeitpunkt werden dann die potentiellen Nachfolger beteiligt und so wird Schritt für Schritt die Übergabe vorbereitet. Besonders wichtig für den Unternehmer ist es dabei, die Zeit „danach“ im Auge zu haben und sich auch über die eigene Zukunft nach der Übergabe des Familienunternehmens klar zu werden. Konflikte entstehen, wenn der Unternehmer nicht „loslassen“ kann und dem Nachfolger bei der Übernahme der Verantwortung „im Weg steht“. Ist es zum Streit gekommen, kann eine Mediation hilfreich sein. Die Konfliktparteien werden (wieder) an einen Tisch gebracht und gemeinsam mit dem Berater tragfähige Lösungen erarbeitet.

Lektorat dieses Beitrags: Katharina Daniels, VBU-Partnerin

© Fotolia #108145360, Gundolf Renze

 

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